Doris Dörrie über ihren neuen Film und die Frage: Darf man Nein zur Pflege sagen?
Shownotes
Martina Rosenberg spricht mit Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Doris Dörrie über ihren neuen Kinofilm „Frau Winkler verlässt das Haus“. Im Mittelpunkt stehen Frau Winkler, ihre Tochter Emi und der Pflegeroboter Pawlowitsch – und Themen, die viele pflegende Angehörige kennen: Liebe, Überforderung, Schuldgefühle, Entlastung und das Recht auf ein eigenes Leben.
Links & Hinweise zur Folge
- „Frau Winkler verlässt das Haus“ startet am 1. Oktober in den deutschen Kinos.
- Auf unserem Instagram-Kanal verlosen wir Freikarten zum Film
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Unser Gast Doris Dörrie ist Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Mit Filmen wie „Männer“, „Kirschblüten – Hanami“ oder „Freibad“ gehört sie seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Filmemacherinnen. In ihren Filmen und Büchern beschäftigt sie sich immer wieder mit den großen Fragen des Lebens: mit Liebe und Verlust, mit Familie, dem Älterwerden und dem Tod.
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00:00:00: Heute ist die Regisseurin und Autorin Doris Dürrje bei mir zu Gast.
00:00:04: Mit Filmen wie Männer, Kirschblütten Hanami oder Freibad gehört sie seit Jahrzehnten zur dem bekanntesten deutschen Filmemacherin.
00:00:12: In ihren Filmen und Büchern beschäftigt sich immer wieder mit den großen Fragen des Lebens – mit Liebe und Verlust, mit Familie, dem Älterwerden ja und dem Tod!
00:00:28: Auch ihr neuer Film, Frau Winkler verlässt das Haus, greift solche Fragen auf.
00:00:33: Wie viel Verantwortung tragen erwachsene Kinder für ihre Eltern?
00:00:37: Darf man einen Menschen lieben und trotzdem sagen ich kann die Pflege nicht übernehmen?
00:00:42: Ja und was geschieht eigentlich wenn eine Maschine geduldiger zuhört als ein Mensch der selbst längst an seine Grenzen gekommen ist?
00:00:51: Im Mittelpunkt steht Frau Wincla eine über-achtzigjährige ehemalige Schauspielerin, die nach einem Sturz auf Hilfe angewiesen ist.
00:00:59: Ihre Tochter Emmi möchte für ihre Mutter da sein aber auch endlich ihr eigenes Leben führen.
00:01:04: Deshalb zieht der Pflegeroboter Pavlovich bei Frau Winkler ein.
00:01:08: Aus der anfänglichen Ablehnung entsteht nach und nach eine ganz besondere Beziehung Und ich durfte den Film bereits vorab im Kino in München sehen.
00:01:17: Heute möchte ich mit Frau Doris de Rieu darüber sprechen, was der Film über Pflege-, familiäre Verantwortung-, Selbstbestimmung- und das Verhältnis zwischen Mensch und KI erzählt.
00:01:29: Liebe Frau De Rieu, herzlich willkommen bei Pflegelichter Leben!
00:01:32: Schön dass Sie heute bei uns sind.
00:01:34: Danke schön
00:01:36: Wir wollen über ihn Film sprechen.
00:01:38: Frau Winkler verlässt das Haus, ich durfte den ja schon anschauen.
00:01:41: Er ist aus mehreren Beobachtungen und Erfahrungen von ihnen entstanden aus ihrer Beschäftigung mit Pflegeroptern in Japan auch aus der Einsamkeit vieler älteren Menschen.
00:01:55: Sie haben ja sehr offen dabei erzählt, dass sie häufig an ihre Grenzen gestoßen sind.
00:01:59: Kann ich persönlich gut nachvollziehen und manchmal auch dachten das der Roboter ihrer Mutter wahrscheinlich für die Mutter besser gewesen wäre als sie weil er vielleicht nicht so ungeduldig und auch nicht überfordert gewesen wäre.
00:02:12: Ich glaube, dass viele pflegende Angehörige das sehr gut nach vollziehen können.
00:02:17: Was macht es mit einer Beziehung?
00:02:19: Wenn man aus Liebe helfen möchte aber zunehmend ungeduldigt und überfordert wird.
00:02:26: Erst mal muss ich dazu sagen, ich hatte ja viel Hilfe oder andersrum.
00:02:29: meine drei Schwestern haben das sehr viel mehr geleistet weil auch eine von ihnen vor Ort war und ich sehr viel weniger gemacht habe als die Schwesten und trotzdem bin ich an meiner Grenze gekommen.
00:02:40: was macht es mit einer Beziehung?
00:02:42: Ich fand es schon schwer auszuhalten dass der zu pflegende natürlich auch oft sehr unwirsch ist oder ungerecht ist, oder auch böse wird und so eine Beziehung wie sie davor war nur noch so punktuell möglich ist.
00:03:02: Und wenn man sich aber in die Position des anderen versetzt, ist das auch sehr verständlich.
00:03:07: also zum Beispiel dass Schmerzen einen komplett in Beschlag nehmen und gar nicht mehr einem erlauben über diese Schmerzen hinauszusehen oder über die Schmerze hinauszukommunizieren.
00:03:20: Nur ist es im Alltag schwierig, sich ständig auch in den anderen hineinzuversetzen?
00:03:24: Weil das halt um so viele Kleinigkeiten geht!
00:03:26: Den ganzen Tag geht's um Kleinigkeiten und diese Ansammlung von Kleinigkeiten, die nicht passen oder die nicht recht sind oder die unangenehm sind
00:03:36: usw.,
00:03:37: usw.. Die zermürben beide Seiten.
00:03:42: Sie haben es ja vorhin gerade angesprochen.
00:03:43: Ist das nicht auch das Gefühl ein Stück weit, dass man nicht mehr die Tochter sein kann, die man eigentlich sein möchte?
00:03:49: Sondern ausschließlich für die Versorgung dann nur noch zuständig ist und man nimmt eine völlig andere Rolle ein?
00:03:55: Ja weil derjenige, der gepflegt wird, dann auch gar nicht mehr Kraft und Energie hat den anderen noch als Person überhaupt wahrzunehmen oder auch nochmal den Anderen zu fragen, wie geht es dir eigentlich?
00:04:10: Das ist alles nicht mehr möglich.
00:04:12: Und das verstehe ich auch.
00:04:14: Also ich hatte auch schon öfter schlimme Schmerzen und das vernebelt einem wirklich die Wahrnehmung komplett.
00:04:22: Das stimmt schon alles!
00:04:24: Sie haben es ja gerade angesprochen, also das ist ja ... Das Problem eigentlich man sollte dann in der Hinsicht vielleicht mal die Perspektive wechseln.
00:04:31: Ich selber war auch in der Situation aber hab dann das nicht geschafft weil man ja auch ein bisschen als pflegende Angehörige dann auch gefangen ist in der Rolle.
00:04:40: Aber was ich noch mal wirklich dringend dazu sagen muss, entscheidend ist dass man sich ablösen kann.
00:04:45: Also wenn man das alles alleine leisten muss und da müssen ja viele, das hätte ich überhaupt nicht geschafft!
00:04:51: Überhaupt nicht!
00:04:52: Aber nicht im Ansatz Und wir konnten uns halt immer ablösen.
00:04:57: Das ist viel wert, ne?
00:04:58: Ja,
00:04:58: wenn man das nicht kann, dann weiß ich nicht wie man das durchstehen kann.
00:05:03: Wie viele Geschwister hatten Sie jetzt hier damit
00:05:05: dabei?
00:05:05: Drei Schwestern!
00:05:06: Also
00:05:07: wirklich luxuriösere Situationen.
00:05:09: und auch vier Frauen... Die gesamte Pflege hängt ja weiterhin an den Frauen.
00:05:15: Ich weiß nicht ob Brüder da so mitgemacht hätten.
00:05:18: Ich
00:05:18: hatte zwei Brüdern.
00:05:20: Und haben die mitgemachen?
00:05:22: Sag ich nichts zu ...
00:05:24: Okay, dann haben Sie schon alles gesagt.
00:05:26: Doch!
00:05:26: Aber was halt da immer noch dazukommt ist eigentlich die unterschiedlichen Erwartungshaltungen in den Familien.
00:05:33: und das war sicherlich auch bei uns so gewesen.
00:05:35: wo der eine denkt einmal die Woche vorbeischauen reicht der andere möchte gern jeden Tag um siebzehn Uhr haben und der dritte denkt an was sind jetzt los?
00:05:43: zwei Tage in der Woche reicht auch wenn ich vorbei komme?
00:05:46: Und da kommen die verschiedenen Erwartungshaltungen zusammen in der ähnlichen Sphäre bewegt, dann kann es gut funktionieren.
00:05:56: Aber wenn man unterschiedliche Erwartungshaltungen oder auch Möglichkeiten hat ... Sie haben ja gesagt, sie waren weiter weg!
00:06:03: Da kann man nicht das Gleiche leisten wie die Person vor Ort ist und da ...
00:06:07: Ja, aber es führt natürlich immer zu Konflikten.
00:06:10: Welche Arbeit ist wichtiger?
00:06:11: Wenn ich im Film gedreht hab, konnte ich eben gar nicht.
00:06:14: Ist das wirklich so viel wichtiger?
00:06:16: Oder auch andersherum meine Mutter, die dann doch sehr ... Verständnislos darauf reagiert hat, dass die Schwester, die am meisten geleistet hat.
00:06:25: Weil sie immer vor Ort war.
00:06:27: Auch mal was anderes gebraucht hat und auch mal vielleicht eine Zeit für sich gebrauchte.
00:06:34: Und das ist schwer auszutarrieren.
00:06:36: Das führt unweigerlich zu Konflikten.
00:06:38: Ja, es wäre alles schwer.
00:06:40: Also ich wünsche mir schon dringend, dass diese Frage ein ganz anders diskutiert wird, warum eigentlich die Frauen das alles immer leisten sollen?
00:06:48: Da komm ich noch zu.
00:06:48: Und in den
00:06:49: Samirchen,
00:06:49: okay?
00:06:49: Genau!
00:06:50: Das ist nämlich auch eines meiner Lieblingsthemen ... weil das hab' ich noch mit auf dem Schirm.
00:06:55: Ich würd erst gerne mal auf den Film eingehen, weil durch den Pflegeroboter Pavlovic, der mir sehr sympathisch war wird im Film ja auch sichtbar.
00:07:05: Was zwischen Frau Winkler und ihrer Tochter da eben seit Jahren auch unausgesprochen geblieben ist.
00:07:11: Also das ist dann so dass plötzlich alte Verletzungen Erwartungen die wirken in diese Pflegesituationen plötzlich rein.
00:07:18: also das was viele wahrscheinlich auch schon in der pflege Situation gespürt haben Das ist ja schon gewächst mit der ganzen Geschichte die man mit den Menschen hat.
00:07:28: Ich würde interessieren, in dem Zusammenhang.
00:07:30: Haben Sie Frau Winkler beim Schreiben dann eher als einsame und verletzliche Frau betrachtet oder eher eine Mutter, die ihrer Tochter einfach zu viel abverlangt?
00:07:40: Das ist eben diese verteile Mischung!
00:07:42: Die Hilflosigkeit bringt sie wie jeden auf die Palme, macht sie auch so wahnsinnig wütend, dass sie von einem Moment zum anderen hilflos wird.
00:07:52: Und aus dieser Hilflossigkeit und Ohnmacht heraus brechen auch alte Dinge wieder auf.
00:08:00: Und deren Geschichte miteinander ist eine komplizierte, die nicht so einfach auseinanderzuklamüsern ist.
00:08:06: Da haben beide Seiten Recht und Unrecht.
00:08:10: Und dieses unaufflösbare wird dann schon wieder sehr Thema.
00:08:14: Also gehe ich davon aus, Ihnen war es wichtig, dass man nicht für eine Frau jetzt Partei ergreift, sondern dass man eben beides Sichtweisen sieht?
00:08:22: Absolut!
00:08:23: Ja klar.
00:08:24: Ja, weil es gibt ja auch beide.
00:08:26: Ich fand das sehr in dem Film übrigens ... sehr gut dargestellt, dass man eben genau beide Seiten sieht.
00:08:32: Einerseits wollte sie nicht ihre Tochter belasten, andererseits wollte er nicht alleine sein.
00:08:36: Was wahrscheinlich jeder der Zuschauer nachvollziehen kann?
00:08:39: Es ist auch schwer, indem Sie großzügig zu sein, was hier immer wieder ist.
00:08:44: Aber das ist wahnsinnig schwierig, wenn man auch Angst bekommt.
00:08:48: Wenn man in der Situation ist.
00:08:50: Man bekommt auch Angst vor einem Tod und sterben mehr.
00:08:53: Sagt sie auch alles.
00:08:54: Mhm,
00:08:55: mhm.
00:08:56: Und damit kann man schwer umgehen als Pflegender?
00:08:59: Als Pflegende, aber wahrscheinlich als betroffene Person.
00:09:03: Das ist für beide nicht, wie Sie gerade gesagt haben.
00:09:07: Also Frau Winkler-Wilja, dass Ihre Tochter eben schon für Sie da ist ... Aber sie sieht eben auch, dass sie ein Recht auf ihre eigene Karriere anfängt hat und auch auf ihr eigenes Leben.
00:09:19: Da gehe ich davon aus, dass viele Familien diesen Widerspruch sehr gut ... kennen.
00:09:24: Es ist ja so, dass Pflege mal in diesem Fall jetzt plötzlich eintritt.
00:09:29: In manchen Fällen ist es schleichend und am Ende nach und nach wird dann immer mehr draus, sodass man also wirklich plötzlich von vielleicht innerhalb kurzer Zeit rund um die Uhr in der Pflege drin steckt.
00:09:41: Kann man den vielleicht auch sagen oder was denken Sie drüber?
00:09:44: Kann ich sagen Ich will die Pflege nicht übernehmen!
00:09:47: Ich kann sie nicht über nehmen!
00:09:49: Das kann man nur dann wenn es Angebote gibt die auch wirklich zufrieden stellen.
00:09:55: Also wenn man dann diese Horrorvorstellung hat, dass man dann die Eltern in ein Heim geben muss und sich heim angeschaut hat, die nun wirklich nicht schön sind... ...die es ja so gibt, dass sie wirklich eher erschrecken als einen beruhigen.
00:10:11: Na ja also was ist da wirklich auch die Alternative?
00:10:16: Und ich glaube dass wir dringend darüber nachdenken müssen an verschiedenen Punkten in der Gesellschaft, wie wir es so gestalten können.
00:10:25: Dass wir keine Angst mehr davor bekommen und auch zwei Seiten keine Angst vorbekommen.
00:10:30: Einmal gepflegt zu werden und einmal diese Pflege dann auch irgendwie leisten zu sollen.
00:10:34: Denn davon haben wir ja beide Angst beides.
00:10:39: Das ist richtig.
00:10:39: Man hat natürlich diese Sorge, dann im Pflegeheim hört man ja ... Man wird rausgerissen aus dem eigenen Zuhause in der fremde Umgebung.
00:10:46: Das ist natürlich auch immer schwierig für die Person selbst und oft ist vielleicht nicht so zufriedenstellen wie das dort abläuft.
00:10:53: Das muss man halt dazu sagen, dass es ganz unterschiedlich
00:10:56: gibt.
00:10:56: Ich hab viele besucht, da wird einem schon auch ganz anders.
00:11:01: Ja?
00:11:01: So-und-so!
00:11:02: Ich war ja lang bei der AWO.
00:11:04: Ja, es gibt auch einen ... Sie wirklich gut kümmern und deswegen ... Aber nichtsdestotrotz die Pflege abzulehnen, finde ich haben sie ganz gut beschrieben.
00:11:14: Man muss natürlich dann gut organisiert sein und versuchen dann anderweitig die Pflege sicherzustellen.
00:11:19: Wenn man eine familiäre Verpflichtung hat würden Sie sagen, hat man auf alle Fälle DIE Verpflichtungen, dass man die Pflegen sicherstellt?
00:11:26: Ja aber da kommt natürlich aus sofort der finanzielle Faktor zum Fragen!
00:11:30: Genau, das ist richtig.
00:11:32: Da sind wir schon bei dem Thema, dass wir vorhin schon mal angesprochen haben weil es ja oft benachteiligt dann ist wer sich kümmert und das sind halt im Moment siebzig Prozent der Pfleger.
00:11:40: in Angehörigen sind da die Frauen immer noch Und ich verfolge das ja seit, naja wie lange ist das jetzt bei mir her?
00:11:47: Dreizehn vierzehn Jahre als meine Eltern jetzt schon tot und Es hat sich ja nicht geändert in der ganzen Zeit.
00:11:54: Das ist wirklich erstaunlich.
00:11:57: Ja und Die Erwerbsquote muss man dazu sagen gestiegen, ne?
00:12:00: Also nehmen wir so wie die meisten Frauen zu Hause waren.
00:12:04: Woher dieses Ritual wahrscheinlich auch noch kommt und diese Idee dazu das Frauen sich verpflichtet fühlen zu pflegen.
00:12:10: also wir haben siebzig Prozent.
00:12:12: also warum wird es so selbstverständlich auf die frauen übertragen?
00:12:15: Weil es so einfach ist, weil wir es so gerne annehmen oder so einfach annehmen dieser rolle weil es sehr stark mit schuld verknüpft ist Diese Vorstellung, dass wir zuständig sind, sitzt so tief in unseren Knochen.
00:12:29: Und dieser Albtraum ... die Eltern nicht gut zu versorgen wenn sie krank werden und nicht zu pflegen oder in eine Situation bringen zu können wo sie einigermaßen gut versorgt sind das produziert so viele Schuldgefühle.
00:12:47: mit diesen Todgefühlen kann man uns sehr gut packen Da die Politik ja doch auch sehr männlich immer noch geprägt ist, ändert sich da gar nichts.
00:12:57: Und es ändert nicht, weil wir alle keine Lust haben uns damit zu beschäftigen.
00:13:02: Solange wir noch ganz gut beieinander sind, möchten wir nicht mit Alterkrankheit und Tod konfrontiert werden.
00:13:08: Ja, bestimmt leider
00:13:09: ein.
00:13:09: Nur meine Frage ist andersrum ... Wir wollen doch alle gerne in Würde, so heißt das immer, altern?
00:13:17: Wir wollen in einer ... gut umsorgten Situationen krank sein, wenn wir dann krank werden und wir wollen ein guter Tod sterben.
00:13:24: Das wollen wir alle!
00:13:26: Also müssten wir uns doch alle zusammen die Jungen wie die Alten darum kümmern dass die Bedingungen dafür geschaffen werden.
00:13:34: Sie sprechen mir aus der Seele.
00:13:35: Seit zwölf Jahren predige ich das eigentlich, beschäftigt euch mit dem Thema vorab denn man kann sehr viel selbst auch damit steuern aber um auch wirklich wie sie richtig sagen in Würdealtern und da fehlt es wahrscheinlich Gesellschaft nicht noch ein Stück weit.
00:13:53: Ich würde nicht nur die Politik dafür verantwortlich machen, vielleicht auch die Gesellschaft.
00:13:58: Was brauchen wir denn Ihrer Meinung nach damit die Familien mehr Unterstützung bekommen, damit sie so eine Situation besser bewältigen können?
00:14:06: Ja das ist jetzt für mich schwierig da so alltagspolitisch Empfehlungen zu geben was man da hat.
00:14:11: Nur
00:14:11: gesellschaftlich eigentlich.
00:14:13: Das
00:14:14: muss man das bewusst sein verändern.
00:14:16: Das ist natürlich schon auch teilweise mein Job und deshalb gibt es diesen Film.
00:14:22: Ja.
00:14:23: Um diese Fragen aufzubrechen, anzureißen und gleichzeitig aber auch so leicht zu erzählen, dass man sich diesen Film gerne anschaut.
00:14:33: Denn auch das bringt gar nichts wenn man jetzt Horror-Visionen erzählt von Alterkrankheit und Tod.
00:14:39: da mag ich selber nicht so gern ins Kino gehen.
00:14:42: Aber in diesem Film schaut man sich wie wir wissen seit zwei Tagen sehr gerne im Kino an und der macht Spaß.
00:14:50: Das war für mich die Herausforderung, diese Themen zu erzählen und gleichzeitig in dem Film zu machen.
00:14:56: Denn ich glaube tatsächlich, dass es nur über das Bewusstsein geht von uns allen zusammen, dass wir die Situation grundlegend verändern können?
00:15:04: Ja, ich glaub auch, ich hoffe auch.
00:15:06: Ich hab schon auch das Gefühl, dass in der Gesellschaft sich ein bisschen das Mindset ändert was nicht die Frauen betrifft aber auch die Frauen, die nächste Generation vielleicht schon mehr.
00:15:16: Also ich war ja auch noch in der Situation, dass ich gedacht habe als Tochter muss sich das natürlich alleine wuppen.
00:15:21: Aber ich glaube, dass die jüngere Generation da vielleicht schon ein bisschen anders ist und dann müsste die Gesellschaft bestimmt auch umstellen.
00:15:27: Ja aber... Ich würde nur noch etwas
00:15:30: was dazu sagen.
00:15:30: Der Zug gehört natürlich auch dass wir uns sehr stark darum kümmern müssen, dass wir nicht immer mehr vor dem Alter fürchten.
00:15:39: Und was doch gerade wieder extrem passiert ist das durch diesen Jugendwahn den wir wirklich haben und auch den Non-Gel-Vity Wahn also möglichst hundertzwanzig Jahre alt zu werden ohne dass uns jemals irgendwas fehlt.
00:15:52: Dass wir super fit sind und es alles von uns weisen dadurch bekommen wir immer mehr Angst vor alter Krankheit und Tod.
00:15:59: Also je mehr wir es von uns weisen, umso größer wird die Angst.
00:16:04: Und da sehe ich gerade gar keine gute Entwicklung.
00:16:07: also auch wenn wir versuchen unsere Alter komplett auszulöschen und zu verbergen.
00:16:12: Es geht schon los mit Plastic Surgery und mit dem ja völligen Negieren von Altwerden, älter Werden, von Falten bekommen, von Beschwerden bekommen.
00:16:24: damit tun wir uns keinen Gefallen!
00:16:26: Denn damit wird die Angst größer werden.
00:16:28: Stimmt, und das fängt dann auch schon sehr jung an mit zwanzig-zwanzigfünfundzwanziger ... Ja ja ich weiß schon.
00:16:34: Ich hab da einiges dazu angeschaut.
00:16:35: Und ja, stimmt, es gibt einen guten Zusammenhang.
00:16:39: Das Altwerden ist eigentlich bei uns nicht gewünscht.
00:16:42: Und das macht natürlich auch das Problem, dass sich die Menschen damit nicht beschäftigen wollen.
00:16:47: Was aber wichtig wäre, sich damit auseinanderzusetzen?
00:16:50: Da gibt's natürlich auch einen Zusammenhang in einer Gesellschaft viele Leute alt sind, dann wird das Alter nicht hoch angesehen.
00:16:57: Wenn es nur ganz wenige sind die Alt sind dann wird der Alter verehrt und wir haben natürlich auch demografisch eine schwierige Situation.
00:17:03: Wir sind sehr sehr viele Alte
00:17:05: Das ist richtig.
00:17:06: alles was in einer Masse auftritt ist da nicht mehr ganz so gut verträglich.
00:17:12: Ja, wir haben jetzt gerade noch ein Thema, das noch einmal kurz ansprechen möchte.
00:17:15: Weil es ja auch in dem Film ein wichtiges Thema ist und mit dem ich mich schon sehr viel beschäftigt habe.
00:17:19: Das ist nämlich der Sterbewunsch von Frau Winkler.
00:17:22: Das wird ja auch ... Ich will nicht spoilern.
00:17:25: Also, ich sage jetzt nicht was da zum Schluss noch kommt.
00:17:27: Aber es ist schon ziemlich am Anfang eigentlich, dass Frau Winclar den Wunsch immer äußert, dass sie sterben möchte.
00:17:33: Und ihr Tochter will einfach mal nichts davon hören?
00:17:37: Stellt sich schon ... Ja, genau.
00:17:40: Das ist nämlich die Frage was braucht ein Mensch der eben so einen Sterbewunsch äußert?
00:17:45: Das war übrigens auch der Buchtitel von meiner Mutter entstanden nicht weil ich das wollte sondern aber sie das wollte.
00:17:52: und da entsteht die Frage Was braucht er eben Widerspruch Schutz oder vielleicht einfach nur jemanden der überhaupt erst mal zuhört
00:17:59: ja zuhören zu hören Und zu versuchen rauszufinden wo sind Ängste, wo sind auch meine Ängsten in diesem Gespräch darüber?
00:18:09: Zuzuhören ohne jetzt mit größtenden Plattitüden anzukommen oder es sehr schnell von sich zu weisen.
00:18:18: Was ja ganz oft passiert ist.
00:18:19: man eben sagt wie auf dem Film Nein nein das geht jetzt gar nicht darum.
00:18:23: um sterben reden wir jetzt gar nichts du stirbst doch gar nicht.
00:18:27: Ja genau und
00:18:27: das ist schwierig.
00:18:28: Das ist aber auch nicht so einfach, da nur die Klappe zu halten und rauszufinden.
00:18:35: Wie sieht denn derjenige, der auf seinen Tod zugeht diesen Prozess?
00:18:40: Wovor hat er Angst?
00:18:42: Wie wünscht es sich das auch?
00:18:44: Kann sein, dass ein Sterbewunsch vielleicht aus was entsteht eigentlich.
00:18:47: Aus Schmerzen, Einsamkeit, Trauer oder einfach nur weil man eine Belastung ist.
00:18:51: Das ist ja so ein bisschen ...
00:18:55: Eine Mischung, die auch sehr brisant werden kann.
00:19:00: Ein Thema noch, das fand ich auch interessant.
00:19:02: Dass es ja auch ein bisschen aufgegriffen worden ist und der assistierte Suizid mittlerweile bei uns wieder möglich ist.
00:19:09: Das bedeutet im Film gibt's sehr unterschiedliche Sichtweisen da drauf.
00:19:13: Welche Perspektive wollten Sie zeigen?
00:19:15: Und vielleicht eine große Frage wie schauen sie sich auf dieses Thema?
00:19:19: Ich wollte verschiedene Aspekte zeigen.
00:19:22: Und
00:19:22: ich versuche da Fragen zu stellen.
00:19:25: Wie wünschen wir uns das?
00:19:27: Und ich glaube, so auf einen Nenner gebracht würden wir alle was Ähnliches sagen.
00:19:32: Wir wünschen uns ein Sterben ohne Schmerzen und in Frieden und möglichst auch wahrscheinlich noch im Beisein von unseren Liebsten.
00:19:42: Darauf können wir uns wahrscheinlich einigen.
00:19:44: Ich denke
00:19:46: ja... Wie können wir das umsetzen?
00:19:49: Wie können we es schaffen?
00:19:49: Ich glaube, dass Recht auf assistiertes Sterben ist wichtig.
00:19:54: Und es ist gleichzeitig aber auch sehr wichtig, wie Sie schon gesagt haben zu gucken, dass der, der sterben möchte oder wirklich auf seinen Tod zugeht nicht das Gefühl hat, dass er jetzt völlig schnell sterben sollte.
00:20:08: Weil er Ballast wird und Ballast ist.
00:20:10: Genau, das ist ein bisschen die Gratwanderung.
00:20:13: Das ist die Gratswanderungen?
00:20:14: Dass man nicht das Gefühle haben sollte ... Hoffentlich bin ich bald tot damit alle anderen wieder aufatmen können.
00:20:20: Ja ja genau.
00:20:22: Ist ein schwieriges Thema, kann man wahrscheinlich einen Podcast für sich machen.
00:20:26: Ja
00:20:26: aber das ist auch in der Sprache interessant.
00:20:28: also dieser Last der so oft vorkommt.
00:20:30: ich möchte kein Ballast sein den die Frau Winkler sehr oft sagt und viele natürlich sagen Aber es ist natürlich auch so dass der der gepflegt werden muss Und der auf seinen Tod zugeht Der isst eine last.
00:20:43: Natürlich ist er eine last Und wir sind ja dazu aufgerufen, diese Last mitzutragen und die Last ein wenig leichter zu machen.
00:20:50: Und sie nicht komplett zu negieren und nicht zu sagen, nein, du bist überhaupt keine Last!
00:20:54: Und sich dann umzudrehen und fast zusammenzubrechen weil die Last zu groß wird für den Pflegenden.
00:21:01: Und auch da eine Wahrhaftigkeit reinzubringen und zu sagen Ja natürlich ist es eine Last.
00:21:07: Es ist aber eine Last zusammen
00:21:09: Und die ich vielleicht auch gerne trage für die Person.
00:21:12: Die ich gerne
00:21:12: traue und ab und zu muss ich sie auch wirklich abgeben können, und da sind wir natürlich wieder an der Organisation von ...
00:21:19: Entlastung
00:21:20: mit mir?
00:21:21: Ja.
00:21:22: Wie kann man entlasten, wie können wir beistehen?
00:21:24: Wie können wir finanziell auch unterstützen?
00:21:26: Wie könnten wir die Männer dazu bringen mehr davon zu tragen?
00:21:29: Genau!
00:21:30: Gute Schlusswort, eins möchte ich noch wissen von Ihnen, dürfte ein Pavlovich bei Ihnen einziehen?
00:21:35: Ja das dürfte auf jeden Fall aber er durfte mich nicht umbringen wollen.
00:21:39: Okay.
00:21:39: Ja, das war ... ja.
00:21:41: Ich
00:21:41: hätte ihn für viele Dinge und einen Punkt finde ich schon auch wichtig, weil er immer auftaucht.
00:21:47: Frau Winkler sagt es auch als der Pavlovich, sie windelt vor ihm musste sich nicht schämen.
00:21:52: Und diese große Scham die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren kann man ganz gut an ein Roboter auslagern wenn er dann mal im Stande sein sollte so was wirklich
00:22:02: zu können.
00:22:03: Ja, ich hoff' da sehr drauf.
00:22:05: Zu
00:22:05: wenigen zu Beispiel?
00:22:06: Ich hoff's da sehr darauf!
00:22:07: Wenn ich so weit bin... Genau.
00:22:09: Für viele Bereiche finde ich das auch alles gar nicht so schlecht.
00:22:14: Es war ein schönes Schlusswort.
00:22:15: Ich danke Ihnen recht herzlich für das offene und auch interessante Gespräch.
00:22:19: Und ich wünsche Ihnen viel Erfolg vor allem mit dem Film, den wir natürlich auch noch hinkriegen.
00:22:22: Dankeschön.
00:22:24: Danke Ihnen.
00:22:25: Ich hoffe, dass viele reingehen.
00:22:26: Ganz
00:22:26: bestimmt.
00:22:27: Danke ihnen.
00:22:29: Frau Winkler verlässt das Haus, startet am ersten Oktober in den deutschen Kinos.
00:22:34: Auf unserem Instagram-Kanal verlosen wir übrigens Freikarten dafür.
00:22:38: Den Link dazu finden Sie auch in unseren Shownotes und Ihnen liebe Hörer danke ich fürs Zuhören!
00:22:44: Und wenn Ihnen die Folge gefallen hat dann abonnieren sie doch unseren Podcast.
00:22:48: Ja und Servus bis zum nächsten Mal beim Pflegeleichter Leben.
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